Was Twitter und andere Web-Firmen an Behörden so ausplaudern (müssen)

Der Kurznachrichten-Dienst Twitter hat vor kurzem seinen ersten Transparancy Report veröffentlicht, in dem die FIrma ähnlich wie Google versucht aufzuzeigen, wie oft und welche Staaten auf Nutzerdaten Zugriff verlangen. Der traurige Trend, den beide Unternehmen bemerken: Die Forderungen nach Daten hat sich 2012 gegenüber 2011 deutlich gesteigert.
23 Länder haben bei Twitter im ersten Halbjahr 2012 mehr als 800 Datenherausgaben gefordert, die mehr als 1100 Account betreffen. Die USA und Japan sind die neugierigsten, aber auch aus Österreich und Deutschland gab es <10 Anfragen. Insgesamt erfüllt Twitter, die noch vor kurzem gelobt wurden, Daten eines Occupy-Aktivisten zu schützen, 63 Prozent dieser Anfragen. Firmen sind eben auch nur Firmen.
Mehr Daten als man glaubt
Wenn man allerdings glaubt, dass Twitter sowieso nur öffentliche Daten der Nutzer herausrücken kann (schließlich twittern die meisten sehr öffentlich), der irrt. Der Kurznachrichten-Dienst hat laut seinen Datenschutz-Richtlinien ziemlich interessante Informationen über seine Nutzer:
Username, IP-Adressen(n), Direktnachrichten, GPS-Daten, Log-Daten (=Zeit des Zugriffs), Tweet-Button-Nutzung, Fotos, Follower, Following, Listen, Handy-Nummer, eMail-Adresse, gelöschte Tweets
Twitter kommt in der Analyse der US-Bürgerrechtsorganisation EFF, welche Unternehmen hinter ihren Nutzern steht, eigentlich ganz gut weg. Die Firma informert den Nutzer, wenn es einen Zugriff gibt, legt Transparenz-Berichte vor und tritt vor Gericht und im US-Kongress für die Rechte der Nutzer ein. Das macht Twitter aus Aktivisten-Perspektive viel sympathischer als Apple, Facebook, Microsoft, Amazon, Foursquare oder MySpace, die sich in solchen Belangen relativ wenig um Nutzerdaten scheren.
Doch auch bei Twitter gibt es Fälle, in denen die Verteidigung der Nutzerdaten nicht gelungen ist:
1. WikiLeaks-Ermittlungen Im Zuge der Untersuchungen gegen die Whistleblower-Plattform wurden Twitter-Daten von Unterstützern wie Birgitta Jónsdóttir und Jacob Applebaum, die an der Veröffentlichung des “Collateral Murder”-Videos beteiligt waren, herausgefordert. Die isländische Parlamentarierin Jónsdóttir, deren Immunität von den US-Behörden nicht respektiert wurde, wurde von ihrer Regierung gewarnt, nicht in die USA zu reisen (mehr dazu in ihrer Guardian-Kolumne).

2. Occupy-Aktivist Im Zuge der Aufarbeitung der Occupy-Wall-Street-Proteste wurde Twitter zur Herausgabe der Nutzerdaten des Accounts @destructuremal an die US-Staatsanwaltschaft gezwungen. Der Account gehört einem gewissen Malcolm Harris, der für die Erregung öffentlichen Ärgernisses im Zuge der Besetzung der Brooklyn Bridge durch die Occupy-Bewegung im vergangenen Jahr verantwortlich gemacht wird. Bei den Daten geht es vor allem um gelöschte Tweets, die klären sollen, ob Harris und hunderte andere Demonstranten wie behauptet von der Polizei auf die Brücke eskortiert wurden und nicht gegen deren Anweisungen gehandelt haben.
Quelle digitalsirocco