MakeLoveNotPorn.tv will Online-Porno mit klischeefreien Bezahl-Clips revolutionieren

“Online-Pornos haben die Sex-Erziehung ersetzt”, sagte die britische Unternehmerin Cindy Gallop im Mai 2012 auf der re:publica-Konferenz in Berlin - und warnte vor den fatalen Auswirkungen auf das Sexleben der jungen Generation. Wer Webseiten wie YouPorn kennt, der weiß, was sich junge Menschen jederzeit und gratis reinziehen können: Hardcore-Videos, die die gesamte Bandbreite sexueller Praktiken bis hin zum Gangbang zeigen, weibliche Darstellerinnen derbe in gängige Klischees drängen und die männlichen Zuseher mit hochgradig unrealistischen Szenen zum schnellen Orgasmus bringen sollen. Gallop will das jetzt ändern. Nichts weniger als die Revolution der Online-Pornografie ist ihr Ziel, und der neue Video-Marktplatz MakeLoveNotPorn.tv ist das Werkzeug dazu.
Anstatt eine Anti-Porno-Kampagne wie etwa Apple-Gründer Steve Jobs zu fahren, will Gallop Sex-Videos realistisch, ehrlich und fair bezahlt machen und quasi die Grundlage dafür schaffen, womit die nächste Generation in Sachen Sex aufgeklärt werden soll. Denn klar ist: Wenn sie nicht die MakeLoveNotPorn-Clips sehen, werden sie sich eben andere Clips auf anderen Seiten ansehen.

Für eine Handvoll Dollar
Also Beta-Tester hatte ich bereits die Möglichkeit, mir die Webseite, die der Öffentlichket noch nicht zugänglich ist, genauer anzusehen. Damit keine Zweifel aufkommen: Die Videos (derzeit gibt es nur 13 Stück) sind “Hardcore” - aber eben anders. Sie zeigen Porno-Darsteller (z.B. Lily Labeau) als auch Amateure beim #realworldsex - kommen also ohne bekannten Klischees und Abfolgen aus und sehen tatsächlich eher so aus, wie Sex im echten Leben eben aussieht.
Die zweite Besonderheit: Man muss für die Clips bezahlen. Fünf Dollar kostet es, ein Video drei Wochen lang so oft ansehen zu können, wie man will. Etwa 50 Prozent bekommen die, die das Video aufgenommen und hochgeladen haben. Denn Gallop will nicht nur Sex-Videos, sondern gleich die ganze Branche mitrevolutionieren. Weil Pornodarsteller selten fair bezahlt werden und große Firmen die Gewinne einstreichen, soll MakeLoveNotPorn.tv zu einem Marktplatz für erotische Clips werden.
Über diesen Weg soll künftig auch der neue Content kommen: Jeder über 18 (Beweis per eingescanntem Ausweis) darf, sofern er die Regeln einhält, die Rechte an dem Material hat und alle abgebildeten Personen eingewilligt haben, Videos hochladen und damit Geld verdienen - bevor ein Clip online geht, wird er von den Betreibern der Webseite gesichtet und freigeschaltet. Einnahmen werden über den Bezahl-Dienst Dwolla ausgeschüttet; das geld kann man sich entweder auszahlen lassen oder in andere Videos investieren. Wird Kinderpornografie u.ä. eingereicht, schaltet MakeLoveNotPorn.tv sofort seine Rechtsabteilung ein.

Gründerin Cindy Gallop wird vom 4chan-Gründer unterstützt
Der Beta-Start von MakeLoveNotPorn.tv konnte nicht so ohne weiteres stattfinden. Schon allein deswegen, weil die Webseite das schmutzige Wörtchen “Porn” im Namen trägt, hätten Software-Firmen nicht mit ihnen zusammen arbeiten wollen, Online-Bezahl-Dienste die Zusammenarbeit versagt und Banken keine Konten erlaubt, wie Gallop im offiziellen Tumblr-Blog schreibt. Dass die Webseite, so wie sie ist, jetzt trotzdem online ist, HD-Videos abspielen kann und Zahlvorgänge abwickelt, hat sie zum Teil ihren Unterstützern aus der Branche zu verdanken.
Neben dem Psychologen und Buchautor Dan Ariely und Yahoo!-Designer Charlie Reeves und Jincey Lumpkin, Gründerin der Lesben-Pornoseite Juicy Pink Box hat Gallop einen ganz besonderen Berater gefunden: 4chan-Gründer Christopher “moot” Poole. “Der Zustand der heutigen Pornografie ist schrecklich und mlnpTV wird ihn reparieren”, ist er überzeugt. Er hat 2003 (also ein Jahr vor Facebook) sein Imageboard gegründet, das neben vielen Ekeleien, Nerd-Stuff und Mangas vor allem als Brutstätte der Anonymous-Hacktivisten bekannt ist - womit ich jetzt auch einen Anknüpfungspunkt für mein kommendes Buch “Digitaler Frühling” hätte. Denn in Kapitel 1 gibt es ein ganzes Unterkapitel, das sich 4chan widmet.
Ob das Konzept aufgeht, lässt sich kaum absehen. Klar ist, dass Gallop ab sofort in einem sehr heiklen Gebiet operiert, in dem die Interessen großer Konzerne, der Druck der Gegnerschaft und nicht zuletzt die zu befriedigenden Gelüste der Internetnutzer dominieren. Wer sich für MakeLoveNotPorn.tv interessiert, kann sich für einen Beta-Invite hier anmelden.
Quelle makelovenotporn.tv