Gemüse & Obst im Abo: Das Biokistl hat knackige Vorteile und ärgerliche Nachteile

Heute blogge ich mal was ganz anderes: Als waschechter Städter mit Fahrrad, Umhängetasche und der 1070 als Postleitzahl habe ich mir - eh klar - das Biokistl bestellt. Genauer gesagt: Ich habe mir das Abo-Gemüse gut ein Jahr lang einmal pro Woche von Mitter bzw. Adamah an die Wohnungstür liefern lassen. Weil mich Bekannte und Arbeitskollegen immer wieder gefragt haben, wie das mit dem Biokistl denn so ist, habe ich meine Erfahrungen, die sowohl positiv als auch negativ ausgefallen sind, zusammengeschrieben.
Das Kistl-Prinzip: Prinzipiell ist die Idee sehr gut. Der Biobauer liefert einmal pro Woche eine Kiste voller Gemüse, Obst, Käse, Wurst und/oder Brot an seine Abonnenten. Diese zahlen dafür je nach Menge einen wöchentlichen Betrag zwischen grob 15 und 25 Euro. Diese ersparen sich so theoretisch den Weg ins Geschäft und bekommen (hoffentlich) Bioware frei Haus.
Preis: Ich habe den Großteil meines Kistl-Jahres Mitters Regional klein um 15,50 Euro und dann einige Monate auf die VEGI-Wochenkiste mit Brot um 19,50 Euro. Zwischendurch habe ich auch mal Adamah ausprobiert, aber generell gilt: Wenn man selber einkaufen geht, ist das natürlich billiger. Grob gerechnet zahlt man im Supermarkt 70 Prozent des Kistenpreises für eine vergleichbare Menge, und oft haben Supermärkte gar Biogemüse und -obst im Sortiment.
Lieferung: Die Biokistl-Anbieter definieren z.B. pro Wiener Bezirk einen Liefertag. Meiner Meinung nach nicht unwichtig ist, dass der Liefertag nahe beim Wochenende liegt, denn dann hat man in der Regel die meiste Zeit zum Verkochen der dann noch frischen Produkte. Wichtig ist auch die Uhrzeit der Lieferung - denn wenn man nicht zu Hause ist, dann stellt der Lieferant das Kistl vor die Haustür, und das ist Blattsalat, Käse und Pilzen nicht wirklich zuträglich. Also vorher mit dem Anbieter abchecken, wann das Kistl kommt. Außerdem sollte man darauf achten, dass viel Platz im Kühlschrank ist - denn auch eine kleine Lieferung will untergebracht werden.
Inhalt: Anders als beim Selbsteinkauf ist im Kistl das drin, was der Anbieter hinein tut. Abrufbar ist das immer ca. eine Woche im Voraus auf der Webseite, und bei einigen Kistl-Angeboten kann man drei Produkte angeben, die man gar nicht mag. Ansonsten bestimmt aber der Lieferant, was die kommende Woche im Kühlschrank liegt, und das hat seine Vor- und Nachteile. Einerseits stößt man so auf neue Gemüsesorten (z.B. Pastinaken, Steckrübe, Mangold, Kräuterseitlinge, Rote Rüben), die man selber nie gekauft hätte, und experimentiert mit neuen Gerichten - das kann Spaß machen und gut schmecken. Außerdem kocht man regelmäßiger und mit mehr Abwechslung. Andererseits aber war oft nicht alles dabei, was ich zum Kochen brauchte. Besonders geärgert hat mich, dass Erdäpfel und Zwiebel (die man zum Kochen ziemlich oft braucht) nicht im Kistl drin waren - die musste man in großen Mengen dazubestellen oder selber kaufen gehen.
Menge: Ein kurzes Wort zu den Mengen. Ich bin mit dem kleinsten Kistl für 2 Personen ausgekommen und musste teilweise Sachen wegwerfen, weil ich einfach nicht zum Verkochen kam. Bei der ersten Bestellung als erste eine kleine Kiste bestellen, später kann man immer noch auf größere Portionen aufstocken, wenn man sie wirklich braucht.
Qualität: Die Qualität der gelieferten Ware war größtenteils zufriedenstellend. Achtung: Sie sieht aber eben wie Bio aus und nicht wie die hochgezüchteten Super-Paradeiser aus dem Supermarkt, also nicht wundern. Geschmacklich waren die Produkte immer mindestens ebenbürtig mit Supermarktware. Positiv ist aufgefallen, dass sich das Gemüse länger hielt als das aus dem Supermarkt, besonders auffallend war das beim Blattsalat, den man - richtig gelagert - auch noch drei, vier Tage nach der Lieferung genießen konnte. Die Qualität schwankte aber auch, und manchmal kamen leicht schimmelige Waren oder Produkte, die sich nur einen Tag hielten. Perfekt ist anders.
Herkunft: Nicht unwichtig ist, woher das Gemüse stammt. So kann es etwa bei Mitter vorkommen, dass Produkte aus dem Ausland dabei sind, was nicht jedermanns Sache ist - denn wenn man schon beim Biobauern bestellt, hätte man ja auch gerne regionale Ware. Vor dem Bestellen sollte man sich also genau ansehen, was im Kistl drin ist - Länderkürzel in Klammer geben Auskunft über die Herkunft.
Abfall: Ein nicht unwichtiger Punkt ist die Verpackung. Seit ich das Biokistl nicht mehr habe, ist der Mistkübel merklich schneller voll, weil Obst und Gemüse aus dem Supermarkt natürlich einzeln (und manchmal sehr großzügig) verpackt ist. Beim Biokistl sind nur manche Produkte zusätzlich verpackt, wie etwa Brot, Käse, Zwetschken oder Spinat. Die leere Kiste holt der Lieferant beim Anliefern der neuen Produkte ab und verwendet sie wieder.
Fazit: Wie alles im Leben hat auch das Biokistl seine Vor- und Nachteile. Es ist bequem, taugt als Quelle für neue Kochideen und spart Abfall, ist aber auch teuer, nicht immer zufriedenstellend und nicht sehr flexibel. Wer sich dafür interessiert, sollte es probieren, muss aber auch die Konsequenzen in Kauf nehmen.
Quelle digitalsirocco